Wahlstatement der Senatsliste
„Für Solidarität und freie Bildung!“
Die
Senatsliste „Für Solidarität und freie Bildung!“ setzt sich aus
Studierenden verschiedener Fachbereiche zusammen. Im Gegensatz zu manch
anderen studentischen Listen sind wir nicht parteigebunden. Wir sind, neben unserem Engagement in der universitären Selbstverwaltung, auch in der Studentischen aktiv. Seit 2011 sind wir nun durchgängig mit unserer Liste im Senat und den dazugehörigen Kommissionen, wie der Senatskommission Studiengänge und der
QSL-Z Kommission vertreten. Verantwortungsvolle Gremienarbeit bedeutet
für uns eine gute inhaltliche Vorbereitung der entsprechenden Sitzungen,
eine kontinuierliche Teilnahme und aktive Mitarbeit sowie eine
transparente Offenlegung der dort behandelten Themen und Ergebnisse.
Wir
fordern ein neues Hessisches Hochschulgesetz (HHG), in dem den
Studierenden mehr Vertreter_innen in allen wichtigen Gremien, wie dem
Senat und den Fachbereichsräten, zugesprochen werden. Wir lehnen einen
"Hochschulrat" ab, dem nur Mitglieder außerhalb der Universität
angehören und der in irgendeiner Form Einfluss auf die Entscheidungen
des Senats hat.
Unserer
Auffassung nach muss es für jeden Menschen, unabhängig seiner
finanziellen Mittel, jederzeit möglich sein einen freien Zugang zu
Bildung oder Weiterbildung zu erhalten. In Zeiten von G8/G9 (doppelte
Abiturjahrgänge) ist es wichtig, dass das Land Hessen seinen Hochschulen
ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, um das Mehr an
Studierenden bewältigen zu können. Den hessischen Hochschulpakt, den das
Präsidium der JLU unter Druck der Landesregierung mitgetragen hat, und
der de facto eine Mittelkürzung darstellt, lehnen wir entschieden ab.
Die ohnehin untragbaren Zustände an der JLU, insbesondere in
Massenveranstaltungen, werden durch den Hochschulpakt noch verschärft.
Wir
lehnen eine Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen ab. Diese
entmündigt nicht nur Studierende, sondern missachtet auch, dass sie
verschiedene Lernstrategien verfolgen. Zudem fordern wir weiterhin, dass
Studierende, sowohl in Bachelor- als auch in Master-Studiengängen, die
Möglichkeit haben, Modulnoten aus der Endnotenberechnung auszuklammern.
Wir halten nach wie vor an einer Umsetzung dieser Forderung fest, da es
nicht sein kann, dass Studierende ab Studienbeginn mit einem enormen
Leistungsdruck konfrontiert werden,
weil jede erbrachte Note über eine Masterzulassung entscheidet, oder
eben nicht. Gerade in Zeiten, in denen der Durchschnitt für eine
Zulassung zu einem Masterstudium von 3,0 auf 2,6 angehoben wurde müssen
Studierende entlastet werden. Hierbei sehen wir in vielen Fachbereichen
dringenden Handlungsbedarf.
Wir lehnen die Streichung von Studiengängen aufgrund der prekären Haushaltslage der Fachbereiche ab. Es sollte nicht sein, dass Studierende die Auswirkungen einer schlechten universitäre Planung tragen müssen.
Zwar
gibt es in Hessen keine allgemeinen Studiengebühren mehr, jedoch werden
für eine geringe Anzahl international angelegter Masterstudiengänge
derartige Gebühren von der Universität Gießen in erheblichen Ausmaß
erhoben. Dies halten wir für einen unsäglichen Zustand.
Weiterhin sehen wir die Erhebung sogenannter Verwaltungsgebühren, wie sie von der Universität ohne jegliche Angabe über ihre Verwendung
zu jedem Semester verlangt werden kritisch. Wir fordern daher einen
transparenten Umgang mit der Verwendung dieser Verwaltungsgebühren!
Werbung
und Anwerbung sind alltäglich geworden an unserer Universität.
Großflächige Plakate an exklusiven Stellen locken mit
studierendenspezifischen Angeboten, Aufsteller und regelrechte
Werbealtäre prangen vor den Hörsälen. In universitären
Vorbereitungsseminaren für Arbeitsmarkt und Bewerbung dozieren
Vertreter_innen großer Konzerne und laden gleich mal ein bei ihnen ein
Praktikum zu absolvieren, sogenannte Headhunter bauen überall ihre
informellen Karrierenetzwerke aus. Wir möchten durch Anfragen die
Einnahmen durch und Vergabepraxis bei Werbetafeln und die
offensichtliche Kooperation mit privaten Unternehmen bei der Lehre
vorallem im Rahmen des ZfbK durchsichtig machen.
Wir
setzen uns weiterhin für die Einführung einer Zivilklausel, also einer
universitären Selbstverpflichtung zur Ausschließlich friedlicher und
ziviler Forschung an der JLU ein.
Obwohl
der erste Versuch scheiterte eine solche Klausel in die Grundordnung
der JLU einzufügen, finden wir es wichtig dieses Thema aktuell zu halten
und durch Anfragen, Vorschläge und das Hinwirken auf eine
Neuverhandlung, letztlich die Einführung einer solchen
Friedensverpflichtung durchzusetzen.
Verbunden
mit einer solchen Forderung verlangen wir die Offenlegung sämtlicher
drittmittelfinanzierter Forschung und Lehre (Stiftungsprofessuren,
wissenschaftliches Personal) beziehungsweise die zentrale Erfassung und
Einsicht in Auftraggeber_innen, Inhalte und zu Verfügung gestellter
Geldmittel. Geheimhaltung, Intransparenz und Mitbestimmung von Inhalten
und Veröffentlichungen durch die Auftraggeber_innen widersprechen sowohl
grundlegenden Ansprüchen der Wissenschaftlichkeit als auch der
Grundgesetzlich verbrieften Recht auf Freiheit von Forschung und Lehre.
Auch wird dadurch ein bedeutender Teil der Universität demokratischer
Einsicht und Kontrolle entzogen. Insgesamt wollen wir die Praxis der
immer weiter fortschreitenden Finanzierung von Studium, Lehre und
Forschung durch Drittmittel in Frage stellen.
Derzeit
gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Hochschulrankings, welche
Universitäten zueinander in Konkurrenz setzen. So begünstigt eine hohe
Position im Ranking die Hochschulen bei der Vergabe zusätzlicher
Fördermittel. Diesen Umstand lehnen wir ab und fordern den Ausstieg der
Universität Gießen aus derartigen Rankings.
Immer
öfter werden im Senat Listen von Berufungskommissionen durch gestimmt,
die in den Fachbereichen im Schnellverfahren zusammengestellt wurden.
Mitunter werden sogar „Listen“ eingereicht, auf denen nur eine Person
zur Berufung auf eine Professur vorgeschlagen ist. Dies führt dazu, dass
es keinen Wettbewerb zwischen verschiedenen Bewerber_innen gibt. Zudem
ist es meist fraglich, ob bei diesem Tempo ein Mindestmaß an
Mitbestimmung gewährleistet ist. Wir stehen diesem „Hau-Ruck-Prinzip“
ablehnend gegenüber.
Die
Vergabekommission für die QSL-Mittel (QSL=Qualitätssicherung der Lehre)
hat in den vergangenen Jahren entschieden, den Fachbereichen in hohem
Maß die Mittel zu kürzen. Dies führte zu einer Verschlechterung der
Lehre. Wir setzen uns auch weiterhin für eine stärkere Finanzierung und
Autonomie der Fachbereiche ein.
Das
„Präsidium der offenen Türen“, wie es sehr oft propagiert wird, lehnen
wir ab. Dies führte nicht zu mehr Demokratie, sondern lediglich dazu,
dass wichtige Gespräche nicht in den demokratisch legitimierten Gremien,
sondern im Hinterzimmer geführt wurden. Das Präsidium konnte so die
unterschiedlichen Akteure gegeneinander ausspielen. Wir fordern, dass
Diskussionen wieder im Senat geführt werden.
Uns
ist bewusst, dass Studierende, aufgrund der Stimmenverteilung im Senat,
alleine keine Entscheidungen treffen können. Deshalb arbeiten wir auch
mit anderen Statusgruppen solidarisch zusammen und berücksichtigen bei
Entscheidungen auch die Meinung anderer Mitglieder der studentischen und
universitären Selbstverwaltung.
Für Fragen und Anregungen meldet Euch bitte unter:
SolidaritaetundfreieBildung@gmx.de