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Freitag, 27. April 2012

Modulklammer für Bachelor und Master erneut in weite Ferne gerückt

Mit Bestürzung und Wut nimmt die Senatsliste „Für Solidarität und freie Bildung!“ das Votum des Senats zur allgemeinen Ausklammerung von Modulen in Bachelor- und Masterstudiengängen an der JLU Gießen wahr. Auf der Sitzung vom 25.04.2012 sollte über den Vorschlag zur so genannten „Modulklammer“ abgestimmt werden, der allen Studierenden in Bachelor- und Masterstudiengängen die Möglichkeit eröffnet hätte, einen Teil der während des Studiums zu erbringenden Prüfungsleistungen am Ende des Studiums aus der Endnotenberechnung auszuklammern. Hierfür wurde das Präsidium in der Februarsitzung des Senates beauftragt, für die gestrige Sitzung einen Entwurf vorzubereiten, der sowohl vom Senat als auch von den Studierenden getragen werden könne. Auf den vorgelegten Entwurf wurde während der Sitzung inhaltlich kaum eingegangen. Stattdessen wurde die Debatte auf einen rechtlich nicht bindenden Vorschlag der Erarbeitung einer „Kann“-Regelung gelenkt, welche den Fachbereichen die Möglichkeit eröffnet, weiterhin nichts zur Verbesserung der Studierbarkeit tun zu müssen. In der Debatte wurde klar ersichtlich, dass nach wie vor das Grundprinzip einer „Modulklammer“ seitens der ProfessorInnenschaft immer noch nicht verstanden wurde.

Weiterhin wurde angeführt, dass es ja bereits in vielen Fachbereichen Regulierungen zur Verbesserung der Studiensituation gäbe, was faktisch nicht oder nur in Teilen der Wahrheit entspricht: So haben bislang nur 12 von insgesamt 75 modularisierten Studiengängen eine mehr oder minder regulierte Entlastung; eine „echte“ Ausklammerung von Modulen ist nur in einer handvoll Studiengängen vorhanden. Die Implementierung einer „Kann“-Regelung wird auch daran nichts ändern, da während der Sitzung ersichtlich wurde, dass die Einführung einer Modulklammer seltenst im Interesse der Verantwortlichen in den Fachbereichen liegt. Ad absurdum wurde die Debatte durch den Vorschlag geführt, indem die Modulklammer erneut zurück in die Senatskommission Studiengänge verwiesen wurde, welche sich bislang durchweg negativ zu ihr positioniert hatte. In der Vergangenheit kamen in der Senatskommission mehrfach Kritikpunkte zur Umsetzbarkeit („zu aufwändig“) zur Sprache, die inhaltliche Auseinandersetzung wurde stets vermieden.
„Die Abstimmung über eine weiche Willensbekundung hat gezeigt, dass keine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Sorgen und Forderungen der Studierenden gesucht wird. Nur die drei studentischen Senatsmitglieder haben gegen den Antrag gestimmt, da hier klar das Scheitern einer allgemeingültigen Regel beschlossen wurde.“ so Ina Jendriczka, Senatorin der Senatsliste „Für Solidarität und freie Bildung!“

 „Es ist traurig, dass in keinster Weise auf die durch die Bologna-Reform ausgelöste Überregulierung in den modularisierten Studiengängen eingegangen wird. Das schon früher auch von den Zuständigen kritisierte 'Jede Note zählt'-Prinzip hätte durch eine für alle Fachbereiche verbindliche Ausklammerungsregelung abgemildert werden können. Nun sind die Studierenden nach wie vor der Willkür der Mehrheiten im jeweiligen Fachbereichsrat ausgeliefert.“ so Lucas Proehl, Mitglied im Erweiterten Senat für die studentische Senatsliste.

Der positive Zulauf der öffentlichen Sitzung seitens der Studierendenschaft hat jedoch ganz klar gezeigt, dass das Interesse an einer Modulklammer weiterhin besteht, und sollte für die Verantwortlichen in den Fachbereichen als Signal verstanden werden, Studiengänge studierbarer zu gestalten. „Es hat uns sehr erfreut, dass es trotz verkürzter Regelstudienzeiten und steigendem Leistungsdruck viele Studierende gibt, die sich für das Geschehen an der Universität interessieren und auf öffentlichen Sitzungen zu wichtigen hochschulpolitischen Entscheidungen ihren Standpunkt vertreten. Dies bestärkt uns in unserem Bestreben, die Situation in unserem studentischen Alltag zu verbessern!“ so Jendriczka abschließend.