Mit Bestürzung und Wut nimmt die Senatsliste
„Für Solidarität und freie Bildung!“ das Votum des Senats zur
allgemeinen Ausklammerung von Modulen in Bachelor- und
Masterstudiengängen an der JLU Gießen wahr. Auf der Sitzung vom
25.04.2012 sollte über den Vorschlag zur so genannten „Modulklammer“ abgestimmt werden, der allen Studierenden in Bachelor- und
Masterstudiengängen die Möglichkeit eröffnet hätte, einen Teil der
während des Studiums zu erbringenden Prüfungsleistungen am Ende des
Studiums aus der Endnotenberechnung auszuklammern. Hierfür wurde das
Präsidium in der Februarsitzung des Senates beauftragt, für die gestrige
Sitzung einen Entwurf vorzubereiten, der sowohl vom Senat als auch von
den Studierenden getragen werden könne. Auf den vorgelegten Entwurf
wurde während der Sitzung inhaltlich kaum eingegangen. Stattdessen wurde
die Debatte auf einen rechtlich nicht bindenden Vorschlag der
Erarbeitung einer „Kann“-Regelung gelenkt, welche den Fachbereichen die
Möglichkeit eröffnet, weiterhin nichts zur Verbesserung der
Studierbarkeit tun zu müssen. In der Debatte wurde klar ersichtlich,
dass nach wie vor das Grundprinzip einer „Modulklammer“ seitens der
ProfessorInnenschaft immer noch nicht verstanden wurde.
Weiterhin wurde angeführt, dass es ja bereits in vielen Fachbereichen
Regulierungen zur Verbesserung der Studiensituation gäbe, was faktisch
nicht oder nur in Teilen der Wahrheit entspricht: So haben bislang nur
12 von insgesamt 75 modularisierten Studiengängen eine mehr oder minder
regulierte Entlastung; eine „echte“ Ausklammerung von Modulen ist nur in
einer handvoll Studiengängen vorhanden. Die Implementierung einer
„Kann“-Regelung wird auch daran nichts ändern, da während der Sitzung
ersichtlich wurde, dass die Einführung einer Modulklammer seltenst im
Interesse der Verantwortlichen in den Fachbereichen liegt. Ad absurdum
wurde die Debatte durch den Vorschlag geführt, indem die Modulklammer
erneut zurück in die Senatskommission Studiengänge verwiesen wurde,
welche sich bislang durchweg negativ zu ihr positioniert hatte. In der
Vergangenheit kamen in der Senatskommission mehrfach Kritikpunkte zur
Umsetzbarkeit („zu aufwändig“) zur Sprache, die inhaltliche
Auseinandersetzung wurde stets vermieden.
„Die Abstimmung über eine weiche Willensbekundung hat gezeigt, dass keine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Sorgen und Forderungen der Studierenden gesucht wird. Nur die drei studentischen Senatsmitglieder haben gegen den Antrag gestimmt, da hier klar das Scheitern einer allgemeingültigen Regel beschlossen wurde.“ so Ina Jendriczka, Senatorin der Senatsliste „Für Solidarität und freie Bildung!“
„Die Abstimmung über eine weiche Willensbekundung hat gezeigt, dass keine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Sorgen und Forderungen der Studierenden gesucht wird. Nur die drei studentischen Senatsmitglieder haben gegen den Antrag gestimmt, da hier klar das Scheitern einer allgemeingültigen Regel beschlossen wurde.“ so Ina Jendriczka, Senatorin der Senatsliste „Für Solidarität und freie Bildung!“
„Es ist traurig, dass in keinster Weise auf die durch die Bologna-Reform
ausgelöste Überregulierung in den modularisierten Studiengängen
eingegangen wird. Das schon früher auch von den Zuständigen kritisierte
'Jede Note zählt'-Prinzip hätte durch eine für alle Fachbereiche
verbindliche Ausklammerungsregelung abgemildert werden können. Nun sind
die Studierenden nach wie vor der Willkür der Mehrheiten im jeweiligen
Fachbereichsrat ausgeliefert.“ so Lucas Proehl, Mitglied im Erweiterten
Senat für die studentische Senatsliste.
Der positive Zulauf der öffentlichen Sitzung seitens der Studierendenschaft hat jedoch ganz klar gezeigt, dass das Interesse an einer Modulklammer weiterhin besteht, und sollte für die Verantwortlichen in den Fachbereichen als Signal verstanden werden, Studiengänge studierbarer zu gestalten. „Es hat uns sehr erfreut, dass es trotz verkürzter Regelstudienzeiten und steigendem Leistungsdruck viele Studierende gibt, die sich für das Geschehen an der Universität interessieren und auf öffentlichen Sitzungen zu wichtigen hochschulpolitischen Entscheidungen ihren Standpunkt vertreten. Dies bestärkt uns in unserem Bestreben, die Situation in unserem studentischen Alltag zu verbessern!“ so Jendriczka abschließend.